Biz am Green - TALK von Pro zu Profi
Im Rampenlicht
Volker Piesczek, Österreichs kompetentester Fußballmoderator, plaudert mit LET-Beauty Stefanie Michl über das Wesen guter Trainer, die (Un-)Tugenden von Sportkommentatoren und darüber, wie man Erfolg visualisiert.
Moderation: Thomas Weidinger, Foto: Alex Kramel
Zu den Personen
Volker Piesczek: Ex-Fußballprofi u. a. bei Stockerau, Vienna und Wiener Sportklub sowie TV-Moderator bei SAT.1, Premiere, PRO 7, ORF („Expedition Robinson“, „Das Match“) und ATV („Volltreffer“), geboren 1969 in Klosterneuburg. Verheiratet mit der Grünen-Politikerin Eva Glawischnig. Handicap: –11,5 (GC 2000)
Stefanie Michl: Golf-Proette, geboren 1986. Pendelt zwischen Graz und Florida, wo ihr Freund Thomas Kogler lebt. Studiert nebenbei Psychologie an der Karl-Franzens-Universität Graz. Begann mit sechs Jahren zu golfen. Amateur-Titel (Auswahl): Österr. Matchplay Staats-MS, Österr. Int. Amateur-MS, SLGA St. Leonards U16-MS in St. Andrews, Int. MS von Luxemburg, Int. MS von Italien. Profi seit 2005. Größte Erfolge: 6. Platz Swiss Open (2006), 4. bzw. 5. Platz bei der LET Qualifying School Final Stage 2006 bzw. 2007, 9. Platz Suzhou Taihu Ladies Open 2008, 19. Platz UNIQA Ladies Golf Open 2009. Aktuell Platz 68 in der LET Order of Merit 2009 (Tourkarte 2010 fix.) Website: www.stefaniemichl.com

Volker, du warst Fußballprofi und als Verteidiger „der Mann fürs Grobe“. Wie bist du zum Fernsehen gekommen?
Volker: 1996 hatte ich einen Handschlag-Vertrag für Admira Wacker (Bundesliga; Anm. d. Red.), der aber wegen eines Trainerwechsels nicht hielt – und ich war wirklich sauer. Also dachte ich mir: Pfeif drauf! Vielleicht wird es was mit SAT.1 in Hamburg, wo ich mich für die Fußballsendung ran als Volontär beworben hatte – allerdings schon vor längerer Zeit und ohne Rückmeldung. Aber ich hatte ein gutes Gefühl und stellte mir fest vor: Ich werde jetzt Fernsehjournalist. Und plötzlich, aus heiterem Himmel, kam der Anruf aus Hamburg – ein echter „Gänsehaut-Moment“ –, dann das Casting mit 700 Bewerbern, und vier Wochen später war ich im Fernsehen. Seitdem glaube ich, dass man vieles visualisieren kann.
Steffi, gab es in deiner Karriere auch einen „Gänsehaut-Moment“?
Steffi: Wenn, dann war das sicher mein 6. Platz in der Schweiz (Ladies Swiss Open 2006; Anm. d. Red.). Ich spielte damals auf der Telia Tour in Schweden, bekam überraschend eine Einladung zum bestdotierten Event des Jahres und landete bei meinem ersten Auftritt auf der Ladies European Tour gleich in den Top Ten.
Volker hat gesagt, dass er sich seine TV-Karriere quasi visualisiert hat. Welche Rolle spielt diese Mentaltechnik im Golf?
Steffi: Visualisierung ist im Golf ganz wichtig, aber nicht jeder ist ein visueller Typ. Einige meiner Trainer wollten immer, dass ich den Ball dorthin fliegen sehe, wo ich ihn haben will – und ich hab immer geantwortet, dass ich den Ball nicht fliegen sehe. Bei mir bildet sich zuerst immer ein Gefühl, und wenn das stimmt, kommt ein inneres Bild dazu.
Was muss eurer Meinung nach ein guter Trainer leisten?
Steffi: Der Trainer muss als Typ, vom Charakter her, zu mir passen. Mein voriger Trainer war eher ein Luftikus, den eher ich antreiben musste. Mein neuer Trainer ist strukturierter und versucht so viel wie möglich in eine Einheit zu packen. Es gibt so viele Ansatzpunkte in der Technik, und er muss die finden, die mit mir übereinstimmt.
Volker: Volker Piesczek und Technik war beim Fußball ein Widerspruch – ich war kein Feinmechaniker (lacht). Ich glaub, ein guter Trainer weiß die richtigen Knöpfe zu drücken. Im Fußball ist es deshalb spannend, weil man so viele verschiedene Persönlichkeiten unter einen Hut bringen muss: Den einen muss ein Trainer streicheln, den anderen treten, mit dem einen zwanzigmal essen und mit dem anderen tausendmal telefonieren – das ist halt so.
Steffi, deine Meinung zu Sportmoderatoren?
Steffi: Wenn man die Golfkommentatoren in Europa mit jenen in den USA vergleicht, tun sich Welten auf. Jene, die selbst einmal auf hohem Niveau gespielt haben, wie ein Nick Faldo, erklären bei einem schlechten Schlag auch den Grund. In den USA kann selbst ich als Profi beim Zuschauen lernen: Da wird analysiert, wie der Spieler die Situation einschätzt etc., und nicht bloß kommentiert, dass der Schlag schlecht war …
Volker: Das regt mich auch beim Fußball am meisten auf, wenn es heißt: Den muss er ja machen, das muss ja ein Tor sein. Als Profi, der selber gespielt hat, weiß ich: Es muss gar nichts! Da sind so viele Komponenten dabei … Wenn sich ein Spieler den Ball mit 180 Puls erkämpft und dann mit 200 Puls auf den Tormann zurennt, dann hat der einfach eine andere Wahrnehmung – und das musst du beim Moderieren mit einbeziehen.
Volker, gibt es in der Moderation Situationen, vor denen man Angst hat?
Volker: Ich würde es nicht Angst nennen – man hat eher ein stark erhöhtes Maß an Adrenalin. Aber wenn ich beim Üben einer Moderation über ein Wort stolpere, nehme ich einfach ein anderes.
Steffi: Super! Wenn mir ein Loch auf der Runde nicht gefällt, frage ich nächstes Mal, ob ich ein anderes haben könnte … (lacht).
Volker: Das Geheimnis ist, irgendwie einen Weg zur persönlichen Sicherheit zu finden.
Steffi: Bei mir ist das ganz stark die Routine … und wie ich auf der Runde mit mir selbst rede. Ich habe mich oft bei „negative Self-Talk“ ertappt, und mein Pro meinte dann: So wie du mit dir selbst redest, spricht man nicht mal mit einem Hund!












