Stefan Slupetzky
Schreiben ist wie Joggen
CHEFETAGE einmal anders. Ex-Golfrevue-Mitarbeiter Stefan Slupetzky, mittlerweile preisgekrönter Krimiautor, über das Leben nach Golf. Und darüber, wie er wieder auf die Fairways zurückfinden könnte.
Am Anfang der Golfrevue-Karriere von Stefan Slupetzky stand ein Skandal: Seine satirische Betrachtungsweise der GC 2000er fand ebenda keinen Gefallen. Im Gegenteil: Unserem ambitionierten Autor ging es beinahe an den Kragen. „Einige hektische Treffen waren die Folge“, erinnert sich der Wiener und nennt auch das Phänomen: „Wenn du dich vor jemanden stellst, fällt er dir in den Rücken. Es fehlte der Geschichte wohl der Beipacktext: Achtung, Satire.“
Heute, gut 15 Jahre später, ist der 47-Jährige über diese Kinkerlitzchen erhaben und darf sich als gefeierter Krimiautor über die Verfilmung seines ersten Lemming-Romans freuen. Roland Düringer ist neben Fritz Karl einer der beiden Protagonisten und sollte für entsprechend gute Besucherzahlen sorgen.
Golfrevue: Was wäre für dich ein Erfolg, was die Besucherzahlen im Kino betrifft?
Stefan Slupetzky: Ich wünsche mir unbescheidene 100.000. Das ist nämlich die Messlatte, ob eine Fortsetzung gedreht wird. Und das würde ich mir schon wünschen. Nach dem ersten Wochenende lagen wir jedenfalls mit 25.000 Besuchern auf Platz 4. Hinter Wickie und zwei amerikanischen Blockbustern. Wie sehr stimmt die Figur im Film mit der Figur im Buch überein? Sagen wir es so: Ich glaube, der Film ist gut gelungen, und er transportiert die Atmosphäre, die auch im Buch vorherrschend ist. Aber ich hätte gerne eine zweite Chance, um mich auch mehr einbringen zu können. Gibt es in dem Film eine Lieblingsszene?
Ich freu mich immer, wenn Dolores Schmidinger auftaucht. Sie spielt das fantastisch.
Golferisch bringt es Stefan Slupetzky, dessen Karriere vor rund 20 Jahren mit einem Platzreifekurs in Kärnten ihren Anfang genommen hat, immerhin bis auf Handicap 24. Auch einige Holes-in-one sind dabei. „Aber nur am kleinen Kurs in Litschau“, winkt er bescheiden ab. Jetzt liegen die Schläger schon seit knapp zehn Jahren in der gern zitierten Ecke. Obwohl: Reizen würde ihn der Sport nach wie vor, gesteht der nach eigenen Angaben notorische Pitzler.
Du hast ja Mitte der 1990er-Jahre sogar ein Buch mit Golf-Cartoons „Oh du mein Golf“ gemacht …
Das Buch ist damals aber untergegangen. Es war mehr ein Abschreibeposten des Verlegers.
Nach den Erfolgen mit Kommissar Lemming würde jetzt ein Golfkrimi doch ganz gut passen?
Ich hab sogar schon mal einen Golfkurzkrimi geschrieben: „Schobers Glückstag“ – nachzulesen unter Kurzgeschichten auf meiner Website.
Apropos: Wie stellt man sich gemeinhin das Schreiben vor: Arbeit oder Vergnügen?
Es ist harte Arbeit und macht mir gleich viel Spaß wie Joggen. Also keinen.
Wie kommt man überhaupt auf die Idee, Krimis zu schreiben? Dieses Feld ist ja mit etlichen Big Names gut besetzt.
Es war wie das meiste Zufall. Meine damalige Kinderbuch-Verlegerin in Deutschland hat mir angetragen, ich möge doch einmal einen Kinderkrimi schreiben. Ich hab’s probiert, hab ein erstes Kapitel getippt, und dann war klar, das ist nichts für Kinder. Es war viel zu grausig, brutal, abgründig. Zugleich war es das erste Kapitel meines ersten Kriminalromans. So bin ich da reingerutscht.
Wie viele literarische Sockets sind dir in den letzten Jahren passiert?
Glücklicherweise kann ich mich an keinen erinnern. Das hängt sicher auch mit meiner Fitzelei zusammen. Ich bin ein sehr langsamer Schreiber, mein Plansoll ist eine Seite pro Tag. Ich sitze oft an einem Satz mehrere Stunden, weil ich merke, dass er noch nicht die Melodie, die Ausdruckskraft hat, die ich gerne möchte. Was zugleich auch bedeutet, dass ich am Abend das Gefühl habe, was hinter mir ist, ist perfekt. Wenn ich ein Buch fertig hab, lese ich es noch einmal durch, bessere ein paar Rechtschreibfehler aus, dann geht es an den Lektor. Der pflegt mir zu sagen, dass er froh ist, dass es nicht mehr Leute wie mich gibt, denn sonst wäre er arbeitslos.
Aktuell hat Lemming vier Fälle hinter sich, und ein nächster soll folgen. Allerdings gilt es zunächst wieder zur Ruhe zu finden, da zurzeit Lesungen die kreative Kraft hemmen. Ab dem Frühjahr wird wieder gebremst, gibt Slupetzky den Pace vor. Und Golf? Das, so der Autor, werde wohl erst wieder ins Spiel kommen, wenn er alt und klapprig sei.
Obwohl: Die Ruhe, das Grüne, das Schweigen – das seien Momente, die man eigentlich nur als zenbuddhistisch bezeichnen kann. Wo man einfach in einen Flow kommt, nicht mehr denkt, und es läuft. Slupetzky: „Das sind für mich heilige Momente, von denen man nicht genug haben kann. Und zwar auf allen Ebenen.“















