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Einmal alles, aber bitte mit viel Samba

Grundsätzlich haben wir Brasilien beinahe ganzheitlich bereist,  was bei entsprechendem Zeitvorrat vernünftig scheint. Man kann jedoch die Puzzleteile, die ­unsere Autorin Evelyn Gruber* (Text & Fotos) en gros zusammengetragen hat, auch en détail genießen. Man nimmt sich ja Europa – so groß nämlich ist Brasilien – auch nicht in einem Aufwasch vor, außer als Japaner.

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Zwei Golfrunden, ungefähr, dauert die transatlantische Anreise in ein golfmäßig erst zärtlich aufbereitetes Land, das aber ansonsten querbeet als landgewordene Faszination für sich Werbung macht: Vom piranhaträchtigen Amazonas, samt seinen Regenwäldern, über den Zuckerhut, den Karneval bis hin zu den Favelas, der Copacabana, dem Samba und den Caipirinhas schöpft Brasilien aus dem Vollen eines jeden Klischeetopfs und tapeziert damit farbenprächtig unsere Fantasie. Reich & schön, arm & kultig – und jetzt auch noch die Olympischen Spiele 2016, wo Golf zurückkehren wird in die olympische Familie. Wem das nicht Anreiz genug ist …
Als erster Ankerpunkt dient das in unseren Breiten wenig bekannte Salvador – am Buckel, den Brasilien ein paar hundert Kilometer nördlich von Rio in den Atlantik streckt, zu finden –, was praktische, aber auch andere Gründe hat: Als Ganzes klingt die Stadt ein wenig knorrig und verbraucht bei richtiger Aussprache viel Spucke – Salvador da Bahia de Todos dos Santos –, ist aber von Frankfurt aus (und damit auch von Wien, Graz etc.) mit AUA und Lufthansa geradezu ideal erreichbar.

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Zudem weiß der geübte Reisende: Dort, wo man sich in Zurückhaltung übt, ist zumeist das größte Remmidemmi zuhause. So auch in diesem Fall, und wir sprechen hier vom Heiligsten, das Brasilien zu bieten hat, dem Karneval. Vergessen Sie Rio, der Zuckerhut hat immer Saison, denn in Salvador wird richtig gefeiert: Der dicke „Rei Mommo“, der König des Karnevals, holt sich vom Bürgermeister für eine ganze Woche symbolisch den Schlüssel für die Stadt, und dann wird ge­feiert. Kanarienvogelbunt, schrill und so, dass sich Rio festhalten muss. Aber das ist eine ­andere Geschichte. Wir sind wegen Golf hier, das ebenfalls eine lange Tradition hat, geografisch aber weiter südlich, genauer: unterhalb von Rio, seinen Ausgangspunkt genommen hat: Engländer und Schotten – eh klar – haben zu Beginn des 20. Jahrhunderts, während des Baus der Eisenbahnlinie von Santos nach Jundiaí, nicht auf ihr Hobby verzichten wollen und konnten Benediktinermönche überreden, ihnen ein wenig Land für einen Golfplatz abzutreten. So weit die Genesis von Golf in Brasilien.

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Der Reihe nach.

Die Nische „Golf“ ist in ­Brasilien aber auch mehr als 100 Jahre später noch ausbaufähig – wir sprechen von 109 Golfplätzen und 30.000 GolferInnen –, ­immerhin lässt sich ein gut geplanter Urlaub jedenfalls allerfeinst mit Golf kombinieren.
Weil wir im besagten Salvador da Bahia de Todos dos Santos, übersetzt „Stadt aller Heili­gen“, einen ersten Anker setzen, er­lauben wir uns eine kurze Verdichtung zum Thema: Die Stadt ist ein an Kolonialarchitektur reiches ­Juwel und zählt – nicht nur deshalb, aber auch – zu den interessantesten Städten Brasiliens. Das kulturelle Erbe, die afrikanischen Wurzeln und der Einfluss der mit 80 Prozent überwiegend schwarzen Bevölkerung weben einen Teppich aus pulsierender Lebensfreude, durchzogen von afrobrasilianischer Musik, deren Hüften lockernde Rhythmen im heißen Capo­eira gipfeln, einer Art Kampftanz, der anno dazumal von den Sklaven kultiviert wurde.
Das also ist das perfekte Unterfutter für den ersten Ausflug in Sachen Golf, der uns Richtung Norden, ins 60 traumhafte Küstenstraßenkilometer entfernte Sauipe führt, an die Linha Verde, wie die Atlantikküste dort wegen ihrer kokospalmengesäumten Strände heißt. Eine Spur bekannter ist der Beiname Coconut Grove Coast, den die Gegend ebenfalls stolz trägt.


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Wunschkonzert mit Feinschliff

Die Schläger-Maßanfertigung wird zum Wunschkonzert – und alle ­spielen mit:  Die neuen Hits sind hip, und der aktuelle Ohrwurm, der rauf und ­runter gespielt wird, heißt „Custom Fitting“. Logisch, dass auf der GOLF EUROPE in München­ die Industrie geschlossen ins selbe Horn stößt. Sogar bei Puttern und ­Bällen, die, gemeinsam mit den neuesten Trolleys, Thomas Weidinger in Teil II ­unserer Messe-Nachschau (in Teil 1, Heft 7, gab’s Driver & Co) aufgelegt wurden.

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Was waren das für schauerliche Zeiten, als wir alle – mangels Alternativen – noch Einheitsbrei konsumieren mussten. Und ich meine hier nicht die Musik aus der Konserve, sondern die vor gar nicht allzu langer Zeit noch sehr restriktive Auswahl, wenn es um den Kauf neuer Golfhardware ging. Die Frage nach einem alternativen Schaft wagten höchstens die Verwegensten unter uns zu stellen. Gekauft wurde, was gerade in und im besten Fall da war. Vielleicht vorher noch kurz getestet, und basta. Natürlich ist das jetzt stark übertrieben – aber Tatsache ist, dass Custom Fitting vor zehn Jahren eher für die überschaubare Klientel im niedrigen Single-Handicap-Bereich ein Thema war. Zu Unrecht, wie wir heute wissen. Denn auch die höheren Handicapper profitieren von der perfekten Anpassung. Diese Service­leistung, die beim Kauf von Eisen und Hölzern nicht mehr wegzudenken ist, weitet sich aus und findet mittlerweile auch beim Putter und etwas modifiziert sogar bei den Golfbällen großen Anklang – wie Bridgestone mit seinem Ball-Fitting-Programm vorzeigt. Für großes Aufsehen sorgt auch der erste fünfschichtige Golfball von TaylorMade, wo je nach Schlagart eine bestimmte Schicht entsprechend wirksam wird – eine Art „Echtzeit-Custom-Fitting“ während des Spielens. In Sachen Mobilität war die Golf Europe ziemlich Österreich-dominiert: Die innovativsten Produkte – eines davon sogar mit einem Award ausgezeichnet! – fanden wir bei rot-weiß-roten Ausstellern. Und dass die Maßanfertigung auch hier nicht Halt macht, beweist Komperdell mit seinem „Evolution Car“. Viel Vergnügen beim Schmökern, ganz nach dem Motto: „Sie wünschen, wir spielen!“

PUTTER

Angepasstheit, die wir mögen.
Putter wurden bislang eher stiefmütterlich be­handelt, was das Custom Fitting angeht. Das Thema ist zwar noch immer im Entwicklungsstadium, doch tendenziell wachsend. Mit (Wechsel-)­Gewichtseinsätzen, Lie-Anpassung und sogar ­Wechselköpfen erfahren jene Schläger, mit denen wir pro Runde am öftesten in Berührung kommen, einen kräftigen Boom.

BÄLLE

Die spinnen, die Softies

Als Reaktion auf die neue Rillen-Regelung bei den Wedges – die „extrascharfen“ U-Grooves dürfen ab 2010 nicht mehr produziert werden – bringt die Industrie Bälle mit weicheren Schalen auf den Markt, die mehr Spin annehmen sollen.

TROLLEYS

Mobile Funktionswunder
Auch bei den Trolleys kann man von Maßanfertigung sprechen. Nicht auf einzelne Personen getrimmt – sondern generell auf die Bedürfnisse der Spieler in Richtung Funktionalität. Nebenbei erwähnt: Die auffälligsten neuen Produkte auf der Golf Europe stammen aus Österreich!


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Das Vogerl namens Glück

Tourschool Finale 2009

Eben noch jubelt man über sechs Österreicher, die es zum Tourschool Finale schaffen – so viele wie noch nie! – und sechs Tage später herrscht ­Katerstimmung. Martin Wiegele und Bernd Wiesberger kämpfen zwar bis zum letzten Schlag um eine Tourkarte, am Ende wird’s eine Nullnummer in rot-weiß-rot.

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Es hat nicht sollen sein. Wohl schaffen Bernd Wiesberger (o.) und Martin Wiegele (u.) souverän den Cut nach vier Runden, an den beiden Finaltagen können aber beide nicht mehr ausreichend zulegen. Wiesberger landet am Ende auf Rang 58, Wiegele beendet seine fünfte Tourschool auf Platz 46. Auf die Tourkarte fehlen den beiden fünf, beziehungsweise drei Schläge. Immerhin: 2010 wird das bislang größte rot-weiß-rote Pro-Team die Challenge Tour bevölkern.
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Das österreichische Sextett hat sich bei den Tourschool Finals ein wenig zu oft in der Klaviatur vergriffen. Dabei haben wir noch allesamt gejubelt über die Rekordanzahl von sechs österreichischen Tourschool-Finalisten. Nach der Sechsrundenschlacht von Girona ist aber klar: Wir haben kein Orchester auf der European Tour, Markus Brier ist wieder als Solist aktiv und bestreitet seine nunmehr elfte Saison in der höchsten europäischen Spielklasse.
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Haarscharf verfehlt Martin Wiegele – der Steirer hat 2007 die Tourschool in San Roque gewonnen – die Tourkarte, wenngleich es unterm Strich drei Schläge sind: Zu lange braucht der glühende AS Roma-Fan, ehe er sich mit dem Stadium-Kurs in Girona anfreundet. Erst am allerletzten Tag, mit dem Rücken zur Wand, gelingt ihm eine Runde in den roten Zahlen. Am einfacheren Tour-Kurs, auf dem zwei der ersten vier Runden gespielt wurden, legt Wiegele mit gesamt sieben unter Par den theoretischen Grundstein für die dritte Saison auf der European Tour – für die Tourkarte hätte in Summe 10 unter Par gereicht. „Aber mein Putter hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. In drei von sechs Runden hat er leider gebockt und dann kannst du bei diesem Turnier nur mehr die goldene Ananas gewinnen“, ist der Steirer verständlicherweise frustriert. Dabei hat es nach Runde 1 – 65 Schläge – noch ganz gut ausgesehen für Wiegele, dessen Freundin als Caddie zur Seite steht.
Nach einem kurzem Hickup in Runde 2 – eine 74er-Runde bei starkem Wind am schwierigeren Stadium-Kurs – geht es am ­dritten Tag wieder in die richtige Richtung.

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Hofmanns Erzählungen

Steffen Hofmann, Österreichs berühmtester Nicht-Nationalteamspieler, plaudert mit Roland Steiner übers Runterkommen nach dem Spiel, das Fortkommen im Profi-Dasein und die Sinnhaftigkeit einer ­„Rapid-Viertelstunde“ im Golf. Moderation: Thomas Weidinger, Fotos: Kurt Pinter.

altZu den Personen

Steffen Hofmann: Fußballprofi, geboren 1980 in Würzburg/Bayern. Von 1997–2000 in der deutschen Jugend­mannschaft und anschließend im Junior-Team des FC Bayern München. Erster Profi-Einsatz im Oktober 2001 beim FC Bayern München. Seit 2002 (mit Ausnahme der Frühjahrssaison 2006, wo er für den TSV 1860 München spielte) eine fixe Größe beim SK Rapid Wien, mit dem er 2005 und 2008 den Meistertitel holte und wo er seit 2003 auch Mannschaftskapitän ist. Hofmann ist vor allem als Spielmacher und Freistoßspezialist berühmt-berüchtigt. www.skrapid.at
Roland Steiner: Golf-Pro, geboren 1984 in Leoben. Absolvierte die HTBLA für Maschineningenieurwesen in Zeltweg. Begann erst mit 14 Jahren zu golfen, spielte im österreichischen Nationalteam. Pro seit 2005. Er wird 2007 Zweiter in der Alps-Tour-Jahresendwertung und schafft damit den Sprung auf die Challenge Tour. Beim Tourschool Final 2008 fehlt ihm nur ein Schlag zur „Karte“ für die European Tour 2009. Heuer belegt der Steirer Platz 28 in der Final Challenge Tour Order of Merit. Ob es diesmal bei den Finals für die „große“ Karte gereicht hat, lesen Sie ab Seite 82. www.rolandsteiner.com

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Golfrevue: Steffen, warum spielst du nicht in der österreichischen Nationalmannschaft?
STEFFEN: Es gab Bemühungen seitens des Österreichischen Fußball-Bundes, mich einzubürgern – ich bin ja seit 2004 mit einer Österreicherin verheiratet. Ich spielte aber 1997 für Deutschland bei der U17-WM und darf trotz Einbürgerung – die noch nicht durch ist – wegen FIFA-Statuten nicht im ÖFB-Team spielen.

Wie bist du zum Golfen gekommen?
STEFFEN: 2003 waren wir durch unseren damaligen Trainer Josef Hickersberger stark mit dem Thema Golf konfrontiert, und ich habe dann gemeinsam mit Martin Hiden, Sebastian Martinez und Axel Lawaree angefangen.
ROLAND: Stand das in Zusammenhang mit dem Fußballtraining?
STEFFEN: Nein, Hickersberger war einfach Golf-verrückt. Ich habe dann aus Neugier und Lust begonnen und in der Folge fast jeden Tag nach einem Match eine Runde gespielt. Meiner Meinung nach gibt es für einen Fußballprofi nichts Besseres zum Ausgleich, als Golf zu spielen: Wir haben so viel Adrenalin im Spiel, sind aufgeputscht – was man auch braucht –, und da muss man irgendwie wieder runterkommen, weil es nicht gut wäre, das eine ganze Woche mit sich zu tragen. Jetzt, mit zwei Kindern, hole ich mir die Entspannung und den Ausgleich natürlich vorwiegend daheim.

Roland, für dich ist Golf ja eher nicht mit „Ausgleich“ in Verbindung zu bringen …
ROLAND: Nicht wirklich. Seit ich Golfpro bin, gibt es beinahe keinen Tag ohne Golfschläger. Als Ausgleich habe ich mir Dinge gesucht, die mir „Kicks“ geben, wo man merkt, dass man „lebt“. Am Golfplatz gilt es vorrangig, Emotionen zu kontrollieren, und nicht durch überschwängliche Freude oder Frust die ­Fehlerquote zu steigern.
STEFFEN: Das passiert mir auf dem Golfplatz. [lacht] Wenn ich Fußball spiele, dann weiß ich, was ich ungefähr kann und was nicht. Und beim Golf kann ich bei einem Loch was – oder glaube, es zu können –, und beim nächsten Loch ist es wieder weg. Das hilft mir auch beim Fußball ab und zu, ruhiger zu bleiben und es einfach so zu nehmen, wie es ist.

Es gibt für euch beide nichts Schlimmeres, als nicht zu spielen. Sei es, weil man verletzt ist, auf der Ersatzbank sitzt oder den Cut nicht geschafft hat. Wie geht ihr mit solchen Rückschlägen um?

ROLAND: Im Prinzip ist es so: Du steht vor ­einer Tatsache – Punktum. Ich könnte jetzt heulen, oder ich nutze die zwei Tage, trainiere und bereite mich aufs nächste Turnier vor. Je länger man sich mit negativen Ereignissen beschäftigt, umso mehr steht man sich selbst im Weg. Was das betrifft, bin ich eigentlich ziemlich relaxed und kann mit Niederlagen, glaube ich, ziemlich gut umgehen.
STEFFEN: Niederlagen tun zu Beginn nur weh – aber grad aus ihnen kann man mehr lernen als aus Siegen. Bei Siegen ist so viel Euphorie da, da sieht man nur mehr das Positive. Bei Niederlagen werden einem die Schwächen aufgezeigt, und daraus sollte man lernen und sich verbessern.

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