Wissen - Mizuno History

Mehr Spaß am Sport

(aus GR 3/2006)

Vor 100 Jahren gründete Rihachi Mizuno ein Sportgeschäft. Qualität und Innovation spielten von Anfang an eine wesentliche Rolle.

Und weil Rihachi Mizuno seine technologischen Ideen – auch im Golf – mit dem nötigen wirtschaftlichen Background unterfütterte, darf Mizuno heute gemeinsam mit Nike, adidas und Puma als einer der größten Sportartikelhersteller der Welt genannt werden.

Nikichi Mizuno war neun Jahre alt, als 1893 sein Vater starb. Um das Überleben der Familie zu sichern, musste Nikichi, der später den Vornamen seines Vaters annahm, Rihachi, mit elf Jahren die Schule verlassen und sich Arbeit suchen. Nach einer kurzen Zeit bei einem Großhändler für Medikamente wechselte Rihachi zu Kobori, einem Textilgroßhändler in Osaka. Dort verblüffte er die Arbeitskollegen mit seiner Intelligenz und seinem Ehrgeiz: In seiner Freizeit verschlang er Zeitungen und Bücher zum Thema Wirtschaft, interessierte sich für die Biographien bekannter Persönlichkeiten. Als er 13 war, verlieh der Chef dem erstaunlichen Wunderkind die Prokura. Mit 16 war Mizuno Bürochef und als die Firma nach dem Tod seines Inhabers drohte, wirtschaftlich zu kollabieren, erstellte Mizuno einen Finanzplan und wollte die Firma umorganisieren.

Soviel Grips war den neuen Inhabern jedoch unheimlich: Sie verwarfen Mizunos Pläne. Also verließ der noch nicht 20-Jährige die Firma und gründete nach seinem Militärdienst im Russisch-Japanischen Krieg gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Rizo in Osaka die Mizuno Brothers & Company, 1906. Verkauft wurden Baseball-Utensilien – Rihachi hatte sich in diesen Sport verliebt – und diverse westliche Produkte.

Die Grösse der Kleinheit

Obwohl nur eine winzige Firma stellte Rihachi Mizuno sein Geschäft auf wie einen großen Betrieb – zurückblickend gesehen eines der Erfolgsgeheimnisse der Company. Mizuno formulierte Regeln für Ein- und Verkauf, für Budgets und Trendplanung. Zudem unterstützte er den Baseball-Club der nahen Kitano High School und baute ein Netzwerk von Kontakten zu Athleten auf, deren Ideen, Erfahrungen und Ratschläge er umgehend in die Entwicklung besserer Sportgeräten investierte. Bereits 1913 stellte Mizuno eigene Baseballhandschuhe und Bälle her, dazu kamen Sport- und Freizeitbekleidung. Gerne kooperierte Mizuno dafür mit Spezialisten: So nahm er spezielle Nähfachkräfte unter Vertrag, was ihm im Geschäftsbereich Baseballhandschuhe eine Vormachtstellung einbrachte.

Selbst ein Fan, knüpfte Mizuno immer engere Kontakte zu den aktiven Sportlern. Er organisierte Baseball- und Tennisturniere und verbreiterte seine Geschäftsfelder mit Skiern, Schlittschuhen und Golfschlägern: 1933 stellte Mizuno die erste Schlägerlinie vor, handgefertigte Exemplare der Star Line.

Preis und Wert

So schnell die Firma auch wuchs – Mitte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts hatte Mizuno bereits Niederlassungen in allen größeren Städten Japans –, so streng hielt sich Rihachi Mizuno an die Philosophie seiner Anfänge: „Entwickle ehrliche Produkte in guter Qualität und zu einem vernünftigen Preis.“ So konservativ dieser Ansatz klingt: Überall sonst zeigte Mizuno stets einen kühnen Zug zum Tor.

Etwa in Sachen Promotion: Als 1910 ein Team der Chicago University in Osaka gastierte, trugen von den Zuschauern einzig Rihachi und Rizo Mizuno rote Shirts, natürlich solche aus dem Verkaufsprogramm. Während der Baseball-Jugend-Meisterschaften ließen die Mizunos Eis verteilen und informierten die Zuschauer in Gratis-Flugblättern über den Stand des Turniers. (Auf den Zetteln war natürlich auch die Geschäftsadresse aufgedruckt.) Es gab auch Fotos der japanischen Top-Baseballer, gebrandet von Mizuno, und spezielle Mizuno-Banner, die ersten dieser Art in Japan. In den Mizuno-Geschäften trugen die Angestellten Sportkleidung (statt wie überall sonst Kittel und Reisstrohsandalen) und die Zustellfahrzeuge waren keine altmodischen Kastenwägen, sondern smarte Motorräder mit Anhänger.

Golf für alle!

Nach dem Zweiten Weltkrieg – in letzterem verlor Mizuno beinahe seine gesamte Infrastruktur – setzte die Firma ihren Aufstieg zügig fort. Und ein Teil des Erfolgs, der Mizuno in die wirtschaftliche Augenhöhe von Nike, adidas und Puma gebracht hat, ist Golf. Vom ersten Schläger, der Star Line, bis hin zum aktuellen Topmodell auf der Tour, dem MP 32, war ein langer Weg. Und einer, den Mizuno stets wissenschaftlich absichern ließ: Schon 1938 gründete die Company das Select Science Labor, den Vorläufer der heutigen Abteilung für Produktentwicklung. Ob der erste Golfschläger aus Titan (1990) oder die Wave-Technologie für die Mizuno-Sportschuhe, welche die Füße weniger ermüden lässt (1997), ob die Breath-Thermo-Faser auch für Golfbekleidung, die den Körper warm hält und gleichzeitig Feuchtigkeit absorbiert (1994) oder der x8-Golfball (2006) mit seinem ungewöhnlichen Dimple-Muster und einem speziellen Kern (der Ball ist bislang nur in Japan erhältlich): Mizuno versuchte stets, die Nase entscheidend vorn zu haben.

Lange Zeit war Mizuno als Hersteller von sportlichen Eisen in eine Ecke gestellt worden, die Spieler mit höheren Handicaps kaum besuchten: Die Toursiege der Mizuno-Pros sind Legion, von Nick Faldo über Tiger Woods (in seiner College-Zeit Mizuno-Benutzer) bis hin zu Young Guns wie Luke Donald haben zahlreiche Stars die Eisen und Hölzer der Japaner gespielt. In den letztem Jahren hat Mizuno sein Programm auch in den Bereich der fehlerverzeihenden Geräte ausgeweitet: Die Eisen MX-23 oder die wunderschönen Tava-Schläger für Damen können auch von weniger ausgebratenen SpielerInnen beherrscht werden.

Die Zukunft macht Spass

Mizuno hat nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch Visionen für die Zukunft, so der aktuelle Präsident der Company, Masato Mizuno. Da kommen so tolle Gedanken vor wie jener, dass Mizuno bessere Sportgeräte entwickeln will, damit Sportler mehr Spaß beim Sport haben. Und dass Sport ein Grundrecht für die Kinder der Welt ist. Im Testament des Firmengründers stand auch der Auftrag, unter dem Titel „Mizuno Sports Promotion Foundation“ den Sport zu fördern: Die Zinsen eines Aktienkapitals von mittlerweile 6,8 Milliarden Yen (ca. 47 Mio. Euro) werden aktuell in Projekte investiert.

100 Jahre Mizuno



1906: Der Japaner Rihachi Mizuno baut den Mizuno Shop auf, den Vorläufer der heutigen Mizuno Corporation, und verkauft vorrangig Baseball-Ausrüstung. 1907 startet er mit der Produktion von individuell gefertigter Sportausrüstung.
1913: Erste Herstellung von Baseball-Handschuhen und Bällen.
1923: Erste Herstellung von Skiern.
1933: Erste handgefertigte Golfschläger, die „Star Line“.
1938: Gründung des Select Science Labors, des Vorläufers der heutigen Produktentwicklungsabteilung.
1945: Nach dem Krieg beginnt Mizuno seinen Wiederaufbau mit der Produktion von Rucksäcken und Haushaltsgeräten.
1964: Mizuno unterstützt die Olympischen Spiele in Tokio und ist damit wieder ein fixe Größe in der Sportartikelproduktion.
1965: Etablierung der weltweit größten Golfartikelfabrik.
1990: Mizuno fertigt den ersten Golfschläger aus Titan und
1991: einen nur 115 Gramm schweren Laufschuh mit Spikes, mit dem Carl Lewis einen 100-Meter-Weltrekord aufstellt.
1997: Vorstellung der dämpfenden Wave-Technologie in Golfschuhen. Aufgrund vieler Turniersiege Platz eins in vier Ausrüstungskategorien der US-PGA-Tour.
2005: Vorstellung des Cross-Eight-Golfballs.

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