Sydney
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Schlaflos in Sydney
(aus GR 2/2005)
Ehrgeiziges Ausnützen aller Möglichkeiten, rund um die Uhr: Golf am Tag, forciertes Sightseeing in der Nacht. Zehn Tage Australien so intensiv wie Sonnenbrand.
Gestartet sind wir um elf Uhr Ortszeit von Wien, jetzt ist es auf meiner inneren Uhr 15 Uhr. Dennoch geht draußen die Sonne unter. 6193 Kilometer noch bis Kuala Lumpur, das wird nicht erträglicher, wenn man es in Meilen umrechnet. Kuala Lumpur ist die Halbzeit im Anflug nach Sydney, der Stadt, die so weit weg ist wie der Mond und wir verlassen gerade Attnang-Puchheim.Gute Reiselektüre kürzt die netto 20 Stunden Flugzeit ab, in Verbindung mit Gin-Tonic, Do&Co-Catering und stets ausgeschlafenen Lauda-Air-Stewardessen. Das Buch für Down Under ist Bruce Chatwins „Traumpfade“. Der Text über die australischen Aborigines und ihre Art, auf gesungenen Pfaden das Land zu durchqueren, als Parabel über Reisen schlechthin. Kurz nach dem Äquator fällt der Rest meines Körpers in tiefe Bewusstlosigkeit. Die letzten Meilen lege ich als Lied zurück wie ein Ureinwohner, der bald als Känguru wiedergeboren wird.
Wo ist Golf
Ich komme mit einem fixen Plan nach Sydney: Neun Tage Zeit, soviel Golf wie möglich, Golfgeilheit und Jetlag mixen zu einem Muntermacher, der wach hält. Ganz oben auf der Liste steht der Klassiker, New South Wales GC, in allen Ranglisten unter den Top 50 der Welt, dazu noch sechs, sieben andere feine Wiesen. In meiner Aufstellung fehlen einige bekannte Stadtkurse, etwa The Australian von Jack Nicklaus. Doch dort ist es fast unmöglich, Tee-Times zu kriegen und eine Runde ist nicht billig.Am ersten Tag regnet es. Nicht stark, aber steady, sagt man hier. Kein Tag für weite Ausflüge, sondern einer zum Auflockern. Der Hotelmanager weist mir mit energischen Handbewegungen den Weg zum Moore Park GC. Gleich ums Eck, von vier dicht befahrenen Straßen eingezäunt, mit mehrstöckiger Driving-Range. Optimist, der ich bin, buche ich um 45 Dollar Range plus 18 Loch, fasse Rangebälle aus und begebe mich in die zweite Etage. Bedrängt von einer japanischen Gruppe, die von einem Pro lautstark Gruppenunterricht empfängt, lege ich los. Mein Slice ist mir unauffällig auf die südliche Halbkugel gefolgt, doch draußen auf der Runde gelingen später einige passable Schüsse. (Obwohl einige Fairways des hübschen Platzes gleichsam als Seitenfahrbahn zu den vorbei führenden Straßen fungieren, was den Schwung zittrig werden läßt.)
Moore Park löst die in der Economy-Class aufgetretenen Verkrampfungen. Wer will, findet von dieser Sorte der einfacheren Pay-and-Play-Kurse viele in Sydney: Der Zugang zu Golf ist in Australien oft erfrischend hemdsärmelig. Manchmal jedoch so steif, dass einem der Schmäh ausgeht, was ich gleich erlebe: Goschert, wie ich bin, marschiere ich in den Royal Sydney GC, die feinste Adresse der Stadt. Der Club liegt im mondänen Viertel Rose Bay, das ihn seit der Gründung 1909 jedes Jahr krakenhafter umschlingt. Die Grundstückspreise hier sind so Schwindel erregend, dass es billiger ist, in der Bucht auf einer Riva-Yacht zu wohnen: Royal Sydney sitzt auf einer Immobilie im Wert von einer Milliarde australischer Dollar (=600 Millionen Euro), was vom Clubsekretär abwärts bis zum kleinsten der 6000 Mitglieder alle hochnäsig macht. Infomaterial? Sorry, ist uns ausgegangen. Fotografieren? Da hätten Sie sich von Europa aus anmelden müssen. Green-Fees?
55 Dollar in Begleitung eines Mitglieds, 250 Dollar für Mitglieder von Partnerclubs. Sonst unmöglich. Verwirrt von Arroganz, Mahagoni und Silberpokalen stolpere ich ins Freie und hocke mich auf eine Bank mit Blick auf Putting-Grün und Tee 1. Ich genieße den Ausblick auf Sydney, ringsum ist es friedlich wie auf einer Alm. Als ich nach einer Stunde gehe, haben inzwischen vier Members abgeschlagen.















